Fotos von Otto Oetz aus Santiago de Chile

29-12-2008







Mit dem Bus nach Santiago. Ankunft am Busterminal, Weiterfahrt mit der Metro bis Station Moneda. Als ich auf den Platz trat, paradierten dort Berittene mit chilenischen Wimpel an langen Speeren. Militär marschierte auf, die Blasmusik spielte. Die Ehre galt nicht mir, sondern dem Obersennhirten eines kleinen Alpenvolkes, der zu Besuch nach Santiago gekommen war, just als auch ich dort eintraf. Die neben der chilenischen Fahne wehende roten Fahne mit dem weißen Kreuz war eindeutig. Als Frau Bachelet mit dem Tellnachfahren zum Auto schritt hat sie mir zugelächelt (oder allen die gaffend herum standen?). Frau Merkel war ich noch nie so nah wie ihrer chilenischen Kollegin, rämlich. Das chilenische Staatsoberhaupt wirkte zierlich neben dem Hünen aus dem Alpenland.

Vor der Staatskarosse ritten die Garden zu Pferd vom Außenministerium zur Moneda, dem Sitz der Präsidentin. Pferde haben keine Ahnung von der Etiquette und äppeln einfach hinter sich hin. Also wurde noch die militärische Müllabfuhr eingesetzt. Falls die Staatsoberhäupter nicht miteinander plauderten, sondern am Fahrer vorbei nach vorne schauten (Staatsoberhaupter sollten immer nach vorne schauen), blickten sie auf Pferdeärsche und Müllmänner. Ist das in London auch so oder haben die einen Trick, das äppeln zu verhindern?)





Ich folgte dem Führer (Lonely Planet) auf einem Rundgang durch das Stadtzentrum. Er dauerte genau solange, wie ich Zeit übrig hatte, weil ich ein Rendezvous mit Sergio Ruiz, einem Freund von Werner und Majo hatte. Aber die Museen waren sowieso geschlossen, weil sie wahrscheinlich dem Tellnachfahren ihre Schätze zeigen wollten. Eine gescheite Erklärung gab es aber nicht, nur die kurze Auskunft: "Ist zu heute". Sie sind manchmal kurz angebunden hier.

Santiago machte (in seinem Stadtzentzentrum) einen äußerst geschäftigen Eindruck. Der Besucher hat den Eindruck, dass die ganze Stadt ununterbrochen auf den Beinen ist, auf sauberem Pflaster, alle 'tirés à l'épingle': saubere Hemden und Blusen, Bügelfaltenhosen, wenn nicht sogar im Jackett, so also kämen sie alle aus einem Büro und eilten ins nächste. Und es geht kreuz und quer von vorne und (wenn man nicht ganz so schnell eilt) von hinten.













Auf dem zentralen Platz (Plaza de Armas wie überall) ebenfalls fröhliches Treiben, Plaudern, Genießen, Sehen und Gesehen Werden, Straßentheater, Schachspielen und wieder eine Demo (laut und fröhlich mit Konfetti und Tröten) vor einer kommunalen Institution. Die Kathedrale ist wohltuend nüchtern, so als man das Risiko nicht hat eingehen wollen, dass das ganze anderswo übliche Gold im nächsten Erdbeben verschütt geht (wie der Kölner sagt). Sie spiegelt sich reizvoll in einem modernen Bürobau nebenan.

Am 27. Dezember war ich noch einmal in Santiago und habe Museen besucht: eines für vorkolumbianische Kunst. War etwas ernüchternd, für den der die Museen in Lima kennt. In Peru war vor den Inka und während der Inkaherrschaft viel mehr los, was heute Chile ist, war eher randständig. Es ist dennoch ein schönes Museum.

Auch im Museum zur Geschichte des Landes habe ich nicht viel Neues erfahren, trotz der sorgfältig geführten und ausgestellten Sammlung.

Umso schöner war es wieder bei Neruda, in dem Haus, das der Schlingel für sich und die Matilde Urrutia als Liebesnest hat bauen lassen, als er noch anderweits verheiratet war. La Chascona ist ein chilenisches Wort für Mähne wegen der prächtigen rotblonden Mähne Matildes. Auch über Dichter und ihren Sinn für Schönes geht das Leben hinweg. wo früher um das Haus Handwerk geschäftig war, tobt heute jugendliches Kneipenleben und der Blick auf die Anden ist in Smogzeiten auch nicht mehr garantiert.



Am Ende des Tages Besuch bei Sergio Ruiz. Aus dem Fenster seiner Kanzlei in einem füfzehnten Stock ein schöner Blick auf die Anden und den Hügel von Santa Lucia, einem Park auf einem ursprünglich kahlen Hügelauf dem sich heute die Jugend trifft, wenn sich nahekommen will. Eine lauschige Bank nicht weit weg von der anderen und viele andere lauschige Sitzgelegenheiten. Für Turis ein Blick über die Stadt.







Ich wollte am Siebenundzwanzigsten auch in die Moneda. Samstags ist sie aber zu. Dass es nebenan den Palacio Culutral de la Moneda gibt, haben mir die Hüter des Hauses nicht gesagt. Das wäre offen gewesen. Ich tröstete mich damit, dass Lonely Planet mir mitteilte, die Moneda sei das einzige Museum, das auch montags geöffnet sei.

Als ich am Montag hinkam, standen die drei Wächter im Eingang und bedeuteten, dass die Monda geschlossen sei. Mein Hinweis auf die anderslautende Auskunft zwei Tage vorher wurde nicht zurückgewiesen. Man müsse in Chile drei Leute fragen, bis man einer Information trauen dürfe. Aber das Museum gebe es ja auch noch, es habe einen anderen Eingang, sei aber geschlossen. Ich wollte es wissen und fand, dass es geöffnet war. Ich bin dann noch mal zu den fröhlichen Wärtern zurückgegangen, um ihnen die richtige Information für künftige Nachfrager zu hinterbringen. Nachfrage: "Wie viele Leute haben sie gefragt?" "Drei." "Sehen Sie". Sie haben mir dann erlaubt, das Foto von ihnen zu machen. Es war fröhlich und freundschaftlich.

Als ich an dem Tag gleich neben der Metro (ein Schmuckstück, da können sich Londonparisberlin ein Stück von abschneiden) eine Seitenstraße auf dem Zebrastreifen überquerte, wurde ich von einer schwarzen Limousine nur knapp verfehlt, die um die Ecke schoss. Weil ich mutig weiterging und auf das grüne Männchen zeigte, sah ich einen Stinkefinger und die zwei nachfolgenden Autofahrer drohten mit den Fäusten. Ich war verwirrt und fragte einen Mitpassanten, ob da nicht grün gewesen sei. "Ja schon, aber du bist hier in Chile". Andere Länder, andere Sitten.

Im Museum der Moneda sah ich dann zwei wunderbare Ausstellungen: Den ersten Teil einer Ausstellung, die vor Jahren im Centre Pompidou im Paris zu sehen war: Violeta Parra als Malerin. Leider strecken sie das zeitlich und zeigen die Ausstellung in vier Schritten. Es war dnnoch eine Entdeckung. Die zweite: Frida Kahlo und Diego Rivera. Sehr schöne Bilder von Frida. Die von Diego haben mich weniger beeindruckt. Die sind im kleinen Format wesentlich weniger eindrucksvoll als im groß als Muralles.



Das Bild, das sich die Welt vom Deutschen macht oder ein Bild unter vielen anderen? Nicht das am wenigsten Sypathische.

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